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Ton · Mai 2026

d&b audiotechnik seit 1981 Backnang: Wie die deutsche PA-Welt zur Welt-Klassik wurde

Vier Jahrzehnte Lautsprecherbau aus Baden-Württemberg haben einen Standard gesetzt, an dem sich Konzert-, Theater- und Installationsmärkte global orientieren. Eine Standortbestimmung zwischen Tourkisten, Soundscape und Cardioid-Subs.

Wer in den frühen achtziger Jahren in Backnang eine Werkshalle betrat, hätte sich kaum vorstellen können, dass von hier aus eine Beschallungsmarke ihren Weg in die Top-Liga des internationalen Live-Sektors antreten würde. Und doch begann genau dort 1981 die Geschichte von d&b audiotechnik – einer Firma, die in einem Markt, der lange als Domäne nordamerikanischer und britischer Hersteller galt, zur Welt-Klassik aufstieg. Heute, im Mai 2026, ist die Marke aus Baden-Württemberg nicht nur fester Bestandteil großer Tourneen, sondern auch eine der prägenden Stimmen im Diskurs um immersive Audioformate, Installationsbeschallung und nachhaltige Produktentwicklung.

Vom Werkstatt-Lautsprecher zur internationalen Referenz

Die Gründer um Jürgen Daubert und Rolf Belz – die Initialen geben dem Unternehmen seinen Namen – hätten, so heißt es in Branchenchroniken, zunächst Beschallungslösungen für Theater und Rundfunk gefertigt. Die frühen Jahre seien von einem unaufgeregten Pragmatismus geprägt gewesen: solide Mechanik, präzise abgestimmte Wandler, ein klar definiertes Klangbild. Der wirkliche Bruch sei mit den C-Serien gekommen, später dann mit dem legendären C4-System, das in den neunziger Jahren in vielen Theatern und auf Tourneen seinen Platz fand und d&b den Ruf einbrachte, ein Hersteller mit „theatralischer DNA” zu sein – nüchtern, präzise, vorhersehbar.

Mit Einführung der J-Serie 2005 und der V-Serie 2010 sei dann ein zweiter Sprung gelungen: Line-Array-Systeme, die nicht nur akustisch konsequent durchdacht gewesen seien, sondern auch in Software, Rigging und Touring-Logistik überzeugten. Die ArrayCalc-Software, die Konfiguration, Vorhersage und Sicherheits-Rigging-Daten in einem Werkzeug bündele, gilt seit Jahren als Branchenmaßstab. FOH-Ingenieure, die mit einem d&b-Setup reisen, berichten von einer Verlässlichkeit, die in der Tour-Routine schwer zu überschätzen sei.

Cardioid und KSL: Die Grammatik der Richtwirkung

Wer heute über deutsche PA-Welt-Klassik spricht, kommt an den Stichworten Cardioid-Sub und KSL kaum vorbei. Die KSL-Serie, eingeführt 2018 als kompaktes Line-Array mit konstanter Richtwirkung über den Tieftonbereich, sei einer der erfolgreichsten Würfe der jüngeren Firmengeschichte. Die Logik dahinter: ein PA-System, das nicht nur im Publikum, sondern auch auf der Bühne, im Backstage und in den seitlichen Reflexionsfeldern sauber arbeite – akustische Hygiene als Verkaufsargument.

Cardioid-Subwoofer-Konfigurationen, in denen rückwärtige Schallabstrahlung mittels phasenverkehrter Treiber unterdrückt wird, sind seit Jahren Stand der Technik. d&b hat das Prinzip in zahlreichen Subwoofern – vom KSL-Sub bis zum SL-Sub – konsequent integriert. Für FOH-Verantwortliche bedeutet das: weniger Tiefton-Energie auf der Bühne, mehr Sprachverständlichkeit im Monitorbereich, niedrigere Lautstärken bei gleichem Druck im Publikum. In Theatern, in denen Bauauflagen strenge Schallschutzgrenzen vorschreiben, ist diese Eigenschaft längst nicht mehr Luxus, sondern Pflicht.

Soundscape: Objektbasiert auf europäischem Boden

Mit der Einführung von Soundscape 2018 sei d&b in eine Liga vorgestoßen, die bis dato von französischen und britischen Anbietern dominiert wurde: objektbasierte, immersive Beschallung. Das System, bestehend aus DS100-Signal-Engine und zwei Modulen (En-Scene für Objekt-Positionierung, En-Space für Raumemulation), erlaubt es, Schallquellen frei im Raum zu positionieren und das akustische Verhalten unterschiedlichster Räume virtuell auf das tatsächliche Veranstaltungsformat zu legen. In Musical-Produktionen, klassischen Konzerten und Theater-Inszenierungen sei Soundscape inzwischen ein etablierter Workflow.

Die Stärke des Systems liege weniger in spektakulären Effekten, sondern in der Fähigkeit, in komplexen Räumen Sprachverständlichkeit und Lokalisation in Übereinstimmung zu bringen. Wer im Theater eine Schauspielerin am rechten Bühnenrand höre, wolle sie auch dort verorten – und nicht im zentralen Lautsprecher-Cluster über der Vorderbühne. Soundscape löst dieses Problem mit objektbasierter Wandler-Ansteuerung, ohne dass das Publikum von der Technik etwas mitbekäme.

Im Konzert europäischer Hersteller

Es wäre unredlich, d&b ohne Blick auf das europäische Konzert von Lautsprecherbauern zu beschreiben, in dem sich die Marke positioniert. L-Acoustics, gegründet 1984 in Marcoussis bei Paris, gilt als einer der wichtigsten Mitbewerber – mit der K-Serie im Festival- und Stadium-Bereich praktisch omnipräsent. Meyer Sound, seit 1979 in Berkeley ansässig, bringt eine amerikanische Tradition mit, die in Theatern und auf Tourneen ebenso Spuren hinterlässt. Hinzu kommen Nexo (Frankreich), Adamson (Kanada), Coda Audio (Deutschland), Kling & Freitag (Hannover) und eine wachsende Zahl spezialisierter Anbieter.

In diesem Wettbewerb hat d&b eine Nische besetzt, die man als „europäische Präzision mit globaler Reichweite” beschreiben könnte. Während L-Acoustics in den letzten Jahren mit L-ISA ebenfalls den immersiven Markt bedient und Meyer Sound mit Spacemap Go ein eigenes objektbasiertes System anbietet, bleibt d&b in der Lage, durch konsequente Systemintegration – vom Wandler über die Endstufe bis zur Software – ein konsistentes Klangbild zu liefern, das in der Tour-Realität reproduzierbar sei.

Endstufen, Netzwerk, Workflow

Ein Aspekt, der in der Außenwahrnehmung gelegentlich unterschätzt wird, sind die hauseigenen Endstufen-Plattformen. Die D-Serie, in mehreren Generationen weiterentwickelt, bündelt DSP, Verstärker und Netzwerkanbindung in einem geschlossenen Ökosystem. Endstufen wie der 30D oder der 40D arbeiten als Knoten in einem Netzwerk, das über OCA/AES70, Dante und proprietäre Protokolle verwaltet wird. Für Tour-Crews bedeutet das: ein einheitlicher Workflow von der Planung in ArrayCalc bis zur Echtzeit-Diagnose während der Show.

Die Integration eigener Endstufen sei kein Marketing-Gag, sondern technische Notwendigkeit: nur wer Wandler, Filter und Schutzschaltungen abgestimmt aufeinander auslegen könne, erreiche die spezifizierten Pegel ohne Klangkompromisse. d&b hat diesen Ansatz früher als viele Mitbewerber konsequent verfolgt – und sich damit eine Position erarbeitet, in der die Frage „mit welchen Endstufen fahrt ihr das System?” praktisch nicht mehr gestellt werde.

Installation, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft

Neben dem Touring-Geschäft hat sich d&b in den letzten Jahren verstärkt im Installationsmarkt positioniert. Multifunktionshallen, Sportarenen, Theater, Kirchen, Museen, Themenparks – die Bandbreite ist groß. In Bezug auf Nachhaltigkeit verweist das Unternehmen auf einen langlebigen Produktansatz: Komponenten der älteren Serien würden über Jahre hinweg mit Ersatzteilen versorgt, Software-Updates kompatibel gehalten, Wandler reparierbar konzipiert.

Im Magazin-Kontext lohnt der Hinweis, dass eine Lautsprecher-Investition für einen Veranstaltungsort über zehn bis fünfzehn Jahre kalkuliert werde. Wer in dieser Zeit auf Ersatzteilversorgung und Software-Pflege angewiesen sei, profitiere von Herstellern mit langem Produktatem. Genau hier sei d&b traditionell stark – mit allen Vor- und Nachteilen, die ein konservativ-pragmatischer Produktzyklus mit sich bringe.

Schwächen, blinde Flecken, offene Flanken

Ein Magazin, das ernst genommen werden möchte, nennt auch die Grenzen. d&b ist im klassischen Hochleistungs-Stadion-Segment, in dem L-Acoustics K1 und K2 sowie Adamson E-Series den Ton angeben, nicht in jeder Tour-Spezifikation gelistet. Die GSL-Serie, eingeführt 2017 als großes Line-Array-System, habe diesen Anschluss gesucht und in vielen Festivals gefunden, gilt in Marktbeobachtungen aber als ambitionierter Vorstoß in ein Segment, in dem die Wettbewerber sehr stark seien. Auch im Preis-Leistungs-Bereich für mittelgroße Veranstalter werde der Hersteller von Anbietern aus Tschechien, Italien und Asien herausgefordert, die teils ähnliche Konzepte günstiger anböten.

Monitoring, IEM und die Bühnen-Akustik

Auch wenn d&b traditionell stark im FOH-PA-Geschäft positioniert ist, hat das Unternehmen den Monitor- und In-Ear-Markt nicht aus den Augen verloren. Die M-Serie (M2, M4, M6) bedient den klassischen Wedge-Monitor-Bereich auf der Bühne und konkurriert hier mit Anbietern wie d&b-Mitbewerber L-Acoustics (X-Serie), Clair Brothers, Adamson und einer Reihe spezialisierter Anbieter aus den USA. In Theater-Produktionen, in denen Sprachverständlichkeit und Lokalisation im Vordergrund stehen, sind die kompakten d&b-Modelle (E-Serie, T-Serie, Y-Serie) als Front-Fill, Out-Fill und Delay-Lautsprecher Standardlösungen.

In-Ear-Monitoring (IEM) ist hingegen kein d&b-Kerngeschäft. Hier dominieren Shure, Sennheiser und Lectrosonics den Markt. d&b liefert mit der DSP-Plattform die digitale Infrastruktur, in die IEM-Mixe eingebettet werden können – die Wandler selbst stammen aber meist von anderen Herstellern. Das ist ein bewusster Verzicht auf vertikale Integration, der in der Branche als kluge Begrenzung gewertet werde.

Fazit aus DACH-Perspektive

Aus DACH-Sicht ist d&b audiotechnik ein Glücksfall: ein Hersteller mit Wurzeln in Baden-Württemberg, der seit über vier Jahrzehnten kontinuierlich entwickele, internationale Touring-Standards präge und gleichzeitig in regionalen Theatern, Festivals und Multifunktionshallen präsent sei. Für FOH-Ingenieure, Veranstaltungstechniker und Planer bedeutet das einen kurzen Draht zum Hersteller, eine deutschsprachige Schulungskette und eine Service-Infrastruktur, die in Spitzenzeiten verlässlich erreichbar bleibe.

Auch der Wettbewerb in der Verleih-Branche profitiert von der starken regionalen Präsenz: Wer ein d&b-System mietet, kann in den meisten DACH-Ballungsräumen aus einem Pool unterschiedlicher Verleiher wählen, die alle den gleichen Standards entsprechen und deren Systeme kombinierbar sind. Diese Interoperabilität – ein häufig unterschätzter Faktor – senkt für Veranstalter die Risiken: Wenn ein Verleih-Partner kurzfristig ausfalle, könne der Ersatz aus einem anderen Pool kommen, ohne dass die Show-Programmierung neu geschrieben werden müsse. ArrayCalc-Dateien, Endstufen-Snapshots und Subwoofer-Konfigurationen seien zwischen verschiedenen Anbietern austauschbar – ein logistischer Vorteil, der in der Praxis schwer zu überschätzen sei.

Hinzu kommt eine kulturelle Dimension. d&b unterhält in Backnang einen werkseigenen Showroom, in dem Schulungen, Demos und Hersteller-Tage stattfinden. Wer dort einen Werkstattbesuch absolviere, sehe nicht nur Lautsprecher, sondern auch eine spezifisch süddeutsche Industrie-Kultur: schwäbisches Understatement, präzise Arbeit, langfristige Mitarbeiterbindung. In einer Branche, die häufig von schnellen Produktzyklen und globalen Lieferketten geprägt sei, wirke das fast aus der Zeit gefallen – und genau diese Verlässlichkeit ist ein zentrales Verkaufsargument.

Die deutsche PA-Welt-Klassik – wenn dieser Begriff überhaupt sinnvoll sei – wäre ohne d&b nicht denkbar. Was 1981 in Backnang als Werkstattbetrieb begann, ist heute Teil einer globalen Branchengrammatik. Wer eine Schauspielerin im Theater hört, einen Sängerin auf einem Festival oder einen Vortragenden in einer Konferenzhalle versteht, hat möglicherweise gerade einen schwäbischen Lautsprecher vor sich – und merkt es im besten Fall überhaupt nicht. Genau das wäre, in der Logik dieses Hauses, die höchste Form des Lobes. Das Magazin bleibt am Ball – die nächste Produktgeneration wird voraussichtlich auf der Prolight + Sound im Frühjahr 2027 vorgestellt, und die Diskussion um nachhaltige Verstärker-Topologien, KI-gestützte Systemoptimierung und Cloud-basierte Service-Workflows hat im Hause d&b bereits begonnen.


Ressort: Ton