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Markt · Mai 2026

Prolight + Sound seit 1994 Frankfurt: Wie die 770-Aussteller-Messe zur DACH-Welt-Klassik wurde

Die wichtigste Veranstaltungstechnik-Messe im deutschsprachigen Raum hat über drei Jahrzehnte hinweg den Markt geprägt – im Wechselspiel mit PLASA London, LDI Las Vegas und ISE. Eine historische und aktuelle Standortbestimmung.

Wer im Mai 2026 die Prolight + Sound in Frankfurt am Main besucht, betritt das wichtigste Branchen-Treffen der deutschsprachigen Veranstaltungstechnik. Seit 1994 versammelt die Messe Hersteller, Verleiher, Theatertechniker, Konzert-Crews, Planer und Sachverständige zu vier Tagen Dauer-Diskurs über Produkte, Trends und Verwerfungen. Mit rund 770 Ausstellern aus über 40 Ländern und einem Besucher-Aufkommen, das in guten Jahren die 50.000-Marke knacke, gilt die Prolight + Sound als DACH-Welt-Klassik – im Wechselspiel mit den globalen Schwester-Messen PLASA London, LDI Las Vegas und ISE Barcelona.

Die Geburt aus dem Frankfurt Musikmesse-Umfeld

Die Prolight + Sound entstand 1994 als Schwester-Veranstaltung der traditionsreichen Frankfurt Musikmesse, die ihrerseits bereits seit 1980 als jährliches Treffen der internationalen Musikinstrumenten- und Musikproduzenten-Branche etabliert war. Die Messe Frankfurt erkannte in den frühen neunziger Jahren, dass das schnell wachsende Segment der Veranstaltungs- und Bühnentechnik einen eigenen Auftritt benötigte – die Musikmesse mit ihren Streichinstrumenten, Klavieren und Gitarren hatte mit den Lautsprechertürmen, Lichtkonsolen und Truss-Strukturen der professionellen Live-Branche nur noch lose Berührungspunkte.

Die ersten Prolight + Sound-Ausgaben waren bescheiden im Vergleich zu heute: einige hundert Aussteller, vor allem aus DACH und Westeuropa, ein Hallenkonzept, das sich erst noch finden musste, und eine Besucher-Mischung, die zwischen Discotheken-Betreibern, Theatertechnikern und Konzert-Veranstaltern oszillierte. Bereits in den späten neunziger Jahren wuchs die Messe spürbar – getrieben vom Boom der DJ-Szene, der Verbreitung der Movinglights und dem Aufstieg digitaler Audiomischpulte (Yamaha 02R 1995, Mackie d8b 1998, frühe Digidesign-Konsolen).

Die Hallen-Logik und ihre Bedeutung

Wer die Messe heute besucht, durchläuft eine Hallen-Logik, die das Selbstverständnis der Branche spiegelt. Halle 8 (Audio) versammelt die großen PA-Hersteller: d&b audiotechnik, L-Acoustics, Meyer Sound, Nexo, Adamson, Coda, JBL, RCF. Halle 11 (Licht) ist die Heimat der Lichtdaten-Welt: MA Lighting mit der grandMA3-Plattform (seit 2018), Robe Lighting, Martin Professional, Clay Paky, Vari-Lite, ETC, Chamsys. Halle 12 (Rigging und Stage) zeigt Truss-Hersteller, Hoist-Anbieter, Bühnen-Konstruktionen.

Die Anordnung sei kein Zufall, sondern Ergebnis jahrelanger Optimierung. Veranstalter wissen, welche Hallen sie systematisch durchgehen müssen, Aussteller buchen über die Jahre hinweg konsekutive Standpositionen, um die Wiedererkennbarkeit zu sichern. Wer ein neues Produkt platzieren möchte, kämpft um die richtige Halle, die richtige Standgröße und die richtige Nachbarschaft – Themen, die intern in Messe-Strategie-Sitzungen oft heißer diskutiert werden als die Produktentwicklung selbst.

Die internationale Konkurrenz: PLASA, LDI, ISE

Die Prolight + Sound ist nicht allein. Drei weitere Messen prägen den globalen Kalender. Die PLASA London, gegründet 1977 als britische Verbandsmesse (Professional Lighting and Sound Association), gilt als traditionsreichste Veranstaltungstechnik-Messe Europas und findet jährlich im September im Olympia oder im ExCeL London statt. LDI (Live Design International) in Las Vegas, seit 1988 jährlich im November/Dezember, ist die wichtigste nordamerikanische Branchen-Messe und prägt mit den verliehenen Produkt-Awards die Hersteller-Strategien für das Folgejahr. Die ISE (Integrated Systems Europe), seit 2004 zunächst in Amsterdam, seit 2021 in Barcelona, ist die größte Audio-Visual-Messe Europas mit Schwerpunkt auf Integration, Installation und Pro-AV – kein direktes Pendant zur Prolight + Sound, aber mit deutlicher Schnittmenge im Installations-Segment.

In der Wahrnehmung der DACH-Branche steht die Prolight + Sound zwischen PLASA und ISE: traditionell eher Live-Event-orientiert wie PLASA, aber mit einem wachsenden Installations- und System-Integrations-Anteil, der näher an ISE rücke. LDI bleibt für viele europäische Aussteller eine wichtige zusätzliche Plattform, gerade für nordamerikanische Markteinführungen.

Die Branchen-Awards und ihre Bedeutung

Ein zentrales Element der Prolight + Sound sind die verschiedenen Branchen-Awards. Der Sinus Systems Award, die PIPA (Prolight + Sound International Press Awards) und weitere fach-jurierte Preise prägen die Wahrnehmung neuer Produkte. Für Hersteller bedeutet ein Award nicht nur einen Marketing-Erfolg, sondern auch ein Distributoren-Gespräch im sechs- bis siebenstelligen Volumen. Die Jury-Prozesse seien dabei nicht trivial: Fachredakteur:innen, Praktiker:innen und Distributor:innen entscheiden in mehreren Bewertungsrunden, oft mit deutlich kontroverseren Diskussionen, als die finale Preisverleihung vermuten lasse.

Begleitet wird das Messe-Programm von einer umfangreichen Konferenz- und Schulungsschiene. Die International Event Safety Conference, die SoundCheck-Konferenz, Workshops für Sachverständige, Open-Stages für Demo-Vorführungen und Kongresse zu Themen wie Nachhaltigkeit und Diversität ergänzen den Aussteller-Teil. In den letzten Jahren sei der Conference-Anteil deutlich gewachsen – ein Indiz für die zunehmende Komplexität der Branche und das Bedürfnis nach strukturiertem Wissens-Transfer.

Die Pandemie und ihre Folgen

Die Prolight + Sound hat – wie alle Live-Branchen-Messen – durch die COVID-19-Pandemie 2020 und 2021 schwere Jahre erlebt. Die Ausgabe 2020 wurde wenige Wochen vor dem geplanten Termin abgesagt, 2021 fand sie in deutlich reduziertem Format statt, 2022 die erste vollständige Rückkehr. Die Branche war von der Pandemie unmittelbar betroffen: Veranstaltungsverbote, Insolvenzen, Personalabwanderung, gestörte Lieferketten. Die Prolight + Sound wurde in dieser Zeit zur Plattform für Solidaritäts-Aktionen, politische Lobby-Arbeit (#AlarmstufeRot, Initiative ProVeranstaltungswirtschaft) und Zukunfts-Diskussionen.

Die Jahre seit 2023 zeigen eine deutliche Erholung, ohne dass das Vor-Pandemie-Niveau in allen Kennzahlen wieder erreicht würde. Manche Aussteller treten seither nicht mehr in Frankfurt auf, andere haben ihre Standgrößen reduziert, wiederum andere nutzen die Messe intensiver als zuvor. Die strukturelle Verschiebung ist nicht abgeschlossen.

Verbands-Landschaft und Lobby-Arbeit

Eng verwoben mit der Prolight + Sound ist die DACH-Verbandslandschaft. Der VPLT (Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik, gegründet 1989 in Hannover) ist mit eigenem Stand vertreten und nutzt die Messe für Mitgliederversammlungen, Pressekonferenzen und Politik-Gespräche. Die DTHG (Deutsche Theatertechnische Gesellschaft, gegründet 1956) ergänzt das Bild aus der Theater-Welt. Hinzu kommen das EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren), der FAMAB (Verband Direkte Wirtschaftskommunikation) und das ISDV (Internationaler Stützpunkt der Verbände).

Die Lobby-Arbeit hat in den letzten Jahren spürbar an Bedeutung gewonnen. Themen wie Nachhaltigkeit (Green Touring, Energie-Effizienz, Materialkreisläufe), Fachkräftemangel (Ausbildungs-Zahlen für Veranstaltungstechniker:innen sind seit Jahren rückläufig) und Frequenz-Politik (UHF-Funkmikrofon-Bereiche werden international neu vergeben) werden auf der Messe diskutiert, in Pressemitteilungen kommentiert und teils mit politischen Vertreter:innen direkt verhandelt.

Was die Messe nicht ist

Eine Bemerkung zur Verortung: Die Prolight + Sound ist keine Endkunden-Messe. Wer als Hobby-DJ oder Bandtechniker:in nach günstigen Lautsprechern sucht, wird eher auf Internet-Distributoren ausweichen. Die Messe richtet sich an professionelle Anwender:innen: Veranstaltungstechnik-Dienstleister, Planungsbüros, Theater, Konzertveranstalter, Bühnenbau-Firmen, Hersteller-Distributoren. Die Standgespräche haben entsprechend einen anderen Ton als auf einer Endkunden-Messe – stärker fachlich, weniger sales-orientiert, mit einem hohen Anteil von Kontakt-Pflege und Branchen-Gerücht.

Das hat Konsequenzen für die Berichterstattung. Während Endkunden-Messen häufig in Form von „Top 10 Highlights”-Listen abgearbeitet werden, ist die Prolight + Sound für die Fachpresse ein mehrtägiger Recherche-Marathon, der in den folgenden Wochen und Monaten in Produkt-Tests, Hintergrund-Artikeln und Marktanalysen mündet. Production Partner (seit 1985), Veranstaltungstechnik aktuell und EVENT (seit 1995) berichten traditionell intensiv – ergänzt um Online-Publikationen und Fach-Blogs, die in den letzten Jahren an Sichtbarkeit gewonnen haben.

Welche Themen prägen die Messe 2026? Aus der Vorberichterstattung lassen sich mehrere Schwerpunkte ablesen. Erstens: Nachhaltigkeit. Hersteller präsentieren CO2-Bilanzen, recycelte Materialien, energieeffizientere Endstufen. Zweitens: Immersive Audio. Objektbasierte Beschallung sei nicht mehr Nische, sondern Diskussions-Mainstream – L-Acoustics L-ISA, d&b Soundscape, Meyer Sound Spacemap Go, Holoplot konkurrieren um die Aufmerksamkeit der Planungs-Büros. Drittens: KI und Automatisierung. Lichtprogrammierung mit KI-Unterstützung, automatisierte Bühnentechnik, intelligente Tracking-Systeme – die Branche beginnt, mit den Implikationen umzugehen. Viertens: Frequenz-Knappheit. Die Diskussion um den UHF-Bereich der Funkmikrofone und die Auswirkungen der WRC-2023-Beschlüsse läuft weiter und prägt die Funk-Aussteller-Strategien.

Ausbildung, Nachwuchs und der Generationswechsel

Ein Thema, das auf der Prolight + Sound in den letzten Jahren ebenfalls Raum erhalten habe, ist der Nachwuchs. Die Ausbildungs-Initiative der Branche – getragen von VPLT, DTHG, IHKs und Hersteller-Akademien – nutzt die Messe für Career Days, Recruiting-Stände und Workshops, in denen Schüler:innen, Studierende und Quereinsteiger:innen einen Einblick in die Berufsfelder erhalten. Veranstaltungstechniker:in (IHK), Fachkraft für Veranstaltungstechnik, Meister:in für Veranstaltungstechnik – die Qualifikations-Pyramide wird sichtbar.

Der Generationswechsel in der Branche ist real. Viele Verantwortliche, die in den achtziger und neunziger Jahren die Disco-, Konzert- und Theater-Welt geprägt haben, treten in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Die Nachfolge ist nicht überall geregelt – sowohl in Verleih-Unternehmen als auch in Theater-Häusern stehe ein erheblicher Wissens-Transfer an, der häufig nur informell erfolge. Die Prolight + Sound ist einer der Orte, an denen dieser Transfer stattfinde: zwischen Bar-Tisch und Workshop-Stuhl, zwischen Standgespräch und Konferenz-Pause.

Frankfurt als Standort

Ein Wort zum Standort selbst. Frankfurt am Main bietet als Messestadt ideale Bedingungen: zentrale Lage in DACH, exzellente Verkehrsanbindung (Flughafen Frankfurt, ICE-Knoten, Anbindung über A3, A5 und A66), Hotelkapazitäten in unmittelbarer Messe-Nähe und eine Gastronomie-Szene, die für vier Tage Fach-Diskurs ausreiche. Die Messe Frankfurt mit ihrer 100-jährigen Tradition zählt zu den führenden Messeplätzen Europas und verfügt mit dem Geländeumfang von rund 600.000 Quadratmetern über Kapazitäten, die für die Prolight + Sound mit ihren typischerweise zwei bis vier belegten Hallen mehr als ausreichend seien.

Hinter den Kulissen sei die Messe-Organisation komplex: Aussteller-Akquise, Hallen-Planung, Konferenz-Programm, Awards-Verfahren, Presse-Akkreditierung, Catering, Sicherheits-Konzept. Die Messe Frankfurt Veranstaltungs GmbH beschäftigt sich mit der Prolight + Sound ganzjährig – die viertägige Messe-Phase ist der sichtbare Teil einer 365-Tage-Vorbereitung.

Fazit

Die Prolight + Sound ist seit 1994 mehr als eine Messe – sie sei der jährliche Branchen-Spiegel des deutschsprachigen Live-Sektors, auf dem Hersteller, Anwender:innen und Politik aufeinandertreffen. Mit 770 Ausstellern, einer ausgeprägten Konferenz-Schiene und einer engmaschigen Verbands-Begleitung hat sie sich als DACH-Welt-Klassik etabliert. Wer in der Veranstaltungstechnik arbeite, kenne den Termin im Frühjahr, plane die Reise nach Frankfurt und nutze die vier Tage für Produkt-Recherche, Kontaktpflege und Standort-Bestimmung.

In einer Branche, die so stark von persönlichen Beziehungen und Live-Erlebnissen lebe, sei das Format der physischen Fachmesse weiterhin unverzichtbar – auch wenn parallele Online-Formate (Webinare, Streaming-Demos, virtuelle Showrooms) ihren Platz gefunden hätten. Frankfurt im Mai bleibe der Ort, an dem die DACH-Veranstaltungstechnik einmal im Jahr ihre eigene Lage besichtige. Das Magazin wird in kommenden Ausgaben einzelne Aussteller-Highlights, Award-Gewinner und Markt-Trends ausführlich dokumentieren – und auch die Wechselwirkung mit den parallelen internationalen Messen PLASA, LDI und ISE im Blick behalten.


Ressort: Markt